Es ist eine alte Tugend, dass man zwischendurch mal etwas ganz anderes machen sollte. Sich entspannen, den Kopf frei kriegen und versuchen sollte, seine Hauptbeschäftigung ganz zu vergessen, um danach frisch und gestärkt selbiger wieder nachgehen zu können. Gesagt, getan! GREEN DAY nahmen sich die weisen Worte doppelt und dreifach zu Herzen, schossen sich ungeachtet der anschwellenden Erwartungen an den Nachfolger zu „American Idiot“ mehrere Nächte lang mit Rotwein und anderen Substanzen ab und beschlossen kurzerhand, mal was ganz anderes zu machen als die Hauptband. Die FOXBORO HOT TUBS waren geboren.

Mit denen gehen Billie Joe Armstrong und Anhang dann auch gleich vielerlei Hinsicht mal etwas ganz anderem nach. Die Songs – simpel und basal, „Stop Drop And Roll!!!“ könnte dem Pomp von „American Idiot“ kaum fremder sein. Artwork und Packaging – Fehlanzeige, denn die zwölf Songs erscheinen einerseits digital, wodurch ein Booklet völlig unnötig wird. Die CD-Version des Albums liegt aber andererseits auch lediglich als Pappschuber im Ladenregal, ohne Booklet, nicht im Jewelcase oder gar im edlen Digipack. Und die Aufnahme – herunter gerotzt und mit Mitteln fest gehalten, die im Vergleich den Aufnahmetechniken der millionenschwersten Punkband ever wohl ein Witz sind. Aber Vorsicht, das alles sind noch keine Synonyme dafür, dass die FOXBORO HOT TUBS als Ganzes ein Witz seien. Sind sie nämlich nicht. Vor allem, weil sie musikalisch an einem der absoluten Höhepunkte GREEN DAYs ansetzen: der „Warning“-Phase.

Dabei ist das Wort ansetzen sehr bewusst gewählt, denn die Rock-, Retro- und die partiellen Garageeinflüssen, die GREEN DAY mit „Warning“ 2001 zwar zum kommerziellen Fauxpas, aber zum songwriterischen summa cum laude zusammen fügten, hört man auch auf „Stop, Drop And Roll!!!“ durchaus durch. Einerseits auf einer sehr konkreten Ebene wie in „The Pedestrian“ und „Broadway“, die verflucht stark an die damalige Single „Minority“ erinnern Andererseits und ganz generell aber auch in dem Ansatz, wie sie ihren Sound hier gestaltet haben: Simpel, eingängig und mit wenig TamTam geschriebene Stücke, die einander zwar recht ähnlich sind. Deren melodische Garagenparts aber eingängig sind, weil sie mit ein paar quietschenden Hammondorgeln („Ruby Room“, „Sally“), Pianoeinsätzen („Broadway“). Flötenparts („Pieces of Truth“), mit wunderbaren Melodien („Mother Mary“) und einer schönen Poppigkeit gepimpt wurden.

Deswegen: wenn man nach „American Idiot II“ sucht, sollte man die FOXBORO HOT TUBS aussparen. Wer sich aber an quirligen Garage-Experimenten erfreuen kann, mit denen eine Band insbesondere ihr letztes Album ein wenig konterkariert, dem sei „Stop Drop And Roll!!!“ wärmstens empfohlen. Ein in meinen Augen sehr schönes Album, das aus der Einfachheit eine Tugend macht und dass immer wieder mit dieser typisch amerikanischen Lollypop-Mentalität spielt. Zuweilen ein wenig ironisch, aber fast durchweg sehr gut.
Lauri Wessel

Label: Jingletown Records
Vertrieb: Warner Music
Homepage: www.foxborohottubs.com

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